Sonntag, 27.05.2018 21:26 Uhr

Geheimnisvolles China

Verantwortlicher Autor: Uwe Rembor Wixu, 21.04.2018, 18:41 Uhr
Presse-Ressort von: Uwe Eugen Rembor Bericht 5863x gelesen

Wixu [ENA] China – ein gigantisches Reich. 1350 Millionen Einwohner. Millionenstädte in denen mehr Menschen leben als Österreich Einwohner hat, und von denen wir noch nie gehört haben. Größte Fabrik der Welt in der gleichzeitig kaum jemand Englisch spricht, sich aber alle zu helfen wissen. Eine Chinareise ist nach wie vor ein Abenteuer. Für die Einreise nach China braucht man ein Visum, was recht aufwendig sein kann.

Was kaum jemand weiß: Es gibt auch die Möglichkeit ein Visum bei der Einreise am Flughafen zu bekommen. Das hat sogar den Vorteil dass am entsprechenden Schalter kaum Wartezeiten entstehen, wohingegen an den Schaltern für Einreisende mit Visum die Wartezeit schon mal eine Stunde und länger dauern kann. Einziger Haken: Das Visum bei der Einreise ist für maximal 144 Stunden gültig – das sind 6 Tage. Danach muss man das Land verlassen und kann dann wieder einreisen für erneut 144 Stunden. Da Hongkong nach wie vor als „Ausland“ zählt, kann man kostengünstig und einfach dorthin fahren, übernachten und dann wieder nach China einreisen wenn man ohne Visum unterwegs sein sollte.

Roaming Gebühren sind in China horrend teuer! Man sollte sich unbedingt noch am Flughafen eine lokale Sim Karte kaufen. Wichtig: Sofort noch im Laden aktivieren lassen! Manche Verkäufer sind faul und wollen nur den Umsatz machen, sagen aber ihren Kunden nicht dass die Karte noch aktiviert werden muss. Wer das dann später im Hotel versucht, erlebt eine böse Überraschung, es ist dann nämlich zu spät. Grundsätzlich steht nicht immer ein Datennetz zur Verfügung. Es sind einfach zu viele Menschen online und es gibt zu wenige Sendemasten. Morgens ist das Netz i.d.R. gut, ab mittags kommt es zu Aussetzern. Man sollte auch nicht vergessen dass in China Zensur herrscht. Google und Facebook z.B. sind gesperrt.

Mit einem mobilen VPN kann man das umgehen. Kostenloses Wifi gibt es in vielen Hotels, Läden, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen. Taxis gibt es genug, rund um die Uhr, überall. Sie sind spottbillig, selbst eine Fahrt die 90 Minuten dauert und 80 KM weit ist, kosten nur um die € 27.- Man sollte trotzdem versuchen einen Fahrpreis zu vereinbaren. Taximeter sind Standard, Mautgebühren kommen noch zum Fahrpreis dazu. Chinesen zeigen Zahlen mit den Fingern: Mit der einen Hand die Hunderter, mit der anderen die Zehner. Dass Taxifahren billig ist, ist gut, denn die Distanzen sind gewaltig. In Shanghai sind Fahrstrecken von 100 KM und von 2 Stunden nicht ungewöhnlich, je nach Verkehrslage.

Bei einer Stadt mit 23 Millionen Einwohnern ist das auch keine Überraschung. Das Straßennetz ist gut ausgebaut und blitzsauber, wie überhaupt alle Straßen. Da liegt kein Papierfitzelchen, keine leere Dose, keine Zigarettenkippe. Der öffentliche Bereich ist sehr sauber, was überrascht, denn mit Sauberkeit und Hygiene ist es in China generell leider nicht so weit her, auch nicht in Edelrestaurants oder Hotels. Die meisten Autobahnen und Großstadtstraßen sind bilingual in Chinesisch und Englisch beschildert. Es herrscht Rechtsverkehr.

Meine erste Destination ist die Provinzhauptstadt Wuxi (gesprochen „Wu-Schi“). Wir haben sicher noch nichts von dieser Stadt gehört, trotz der Tatsache dass sie mit 4,3 Millionen Bewohnern zu einer der großen Städte der Welt gehört. In den Nachrichten hört man immer wieder, China sei ein großer Luftverschmutzer weil es dort so viele Millionen Fahrzeuge gibt. Was man nicht hört, ist die Tatsache dass z.B. in Wuxi alle Motoroller elektrisch fahren und auch scheinbar jedes 3 Auto ein E-Fahrzeug ist.

Hotel, selbst 5-Sterne Hotels sind billig und die Zimmer groß. Die Herausforderungen sind mangelnde Sauberkeit und Sprachprobleme. Zwar behelfen sich die Chinesen damit, Restaurantgästen ein Tablet vorzulegen wo Speisen und Getränke abgebildet sind und man nur anklicken muss was man möchte, und jedes Zimmermädchen und jeder Taxifahrer einen Übersetzungs-App auf dem Handy hat, aber mühsam bleibt es dennoch. Wer sich auf eine klassische Chinesische Massage freuend ins Hotel-Wellnesszentrum begibt, erlebt eine Überraschung: Man unterscheidet nicht zwischen zweideutigen sexuellen Angeboten und therapeutischen Anwendungen.

Im Wellnessbereich wird beides von den gleichen Masseurinnen angeboten, mal deutet auf dem Menü auf die Art Massage die man haben will. Das führt zu Zweierlei: Eine Atmosphäre in der man als nicht sexuell orientierter Gast nicht wirklich entspannen kann, und zu Massagen die betreffen therapeutischer Qualität reiner Glücksfall sind. Erstens kann eine Masseurin die auf Stöckelschuhen daher kommt kaum Gewicht und Kraft in die Massage legen, und zweitens hat sie von Muskeln und Verspannung nicht viel Ahnung. Wer eine seriöse Massage sucht, der geht in die meist separaten „Fußmassage / Reflexology Abteilungen.

Chinesen sind traditionell großartige Gastgeber. Das erstreckt sich – im Geschäftsbereich- bis zur Bezahlung des Hotelzimmers, ständigen Esseneinladungen und selbst meine Einkäufe in einem Kiosk (Wasser, Schokolade für die Nacht) übernimmt mein Geschäftspartner. Man sollte daher an Gastgeschenken nicht sparen und etwas aus dem Heimatland mitnehmen. China erstreckt sich eigentlich über 6 Zeitzonen, aber in China herrscht überall die gleiche Zeit. Das hat die etwas bizarre Folge dass es in einigen Gegenden um 8 Uhr früh eigentlich noch mitten in der Nacht ist und um 12 Uhr Nachts eigentlich Aufstehzeit. Die Chinesen haben das so geregelt dass sie einfach das Tageslicht ignorieren und nach der Uhr leben.

In Shanghai führt das dazu, dass meine Kontakte schon um 7 Uhr früh Kunden besuchten. Also nichts für Langschläfer! Weiter ging unsere Reise nach Song Jiang, was politisch zu Shanghai gehört aber eine eigene Stadt ist, von der es zum Stadtzentrum Shanghai 83 KM sind. Auch hier werden wieder die gewaltigen chinesischen Entfernungen spürbar. Downtown Shanghai ist durchaus sehenswert, aber auch hier erwarte man nicht dass English gesprochen wird. Was auffällt ist die enorme Sicherheit in China. Man fühlt sich jederzeit und an jedem Ort sicher. Auch als Frau kann man mitten in der Nacht unbedenklich überall gehen. Lediglich vor Taschendiebstahl muss man sich vorsehen.

Die hohe Sicherheit liegt sicher auch an der unfassbaren Größe der Population: Bei so vielen Menschen ist der Faktor „Arbeit“ billig. Umgerechnet € 3.- / Std. verdient ein qualifizierter Fabrikarbeiter mit IT Kenntnissen. Die Hälfte der Bevölkerung liegt sogar noch unter einem Einkommen von USD 1.- / Tag. Bei so billigen Arbeitskräften wundert auch nicht die allgegenwärtige Polizeipräsenz: An jeder, aber auch jeder Straßenkreuzung steht ein Polizeihäuschen und mindestens 2 Polizisten. Auf dem Parkplatz der Messe in Shanghai regeln zig Polizisten der Verkehr, bei so viel Polizei ist man eben sicher und fühlt sich auch so. Viele Autofahrer lassen beim Parken ihre Scheiben offen. Das ist übrigens ein anderer, interessanter Aspekt:

Die überall vorhandenen Klimaanlagen (im Auto, Hotel, Restaurant, Büro) bleiben ausgeschaltet. Ich bin noch nicht dahintergekommen ob die Chinesen entweder gesundheitlich sehr vernünftig sind und sich nicht dem permanenten Wechselklimaschock aussetzen oder ob es Umweltbewusstsein ist. Aber nach meiner Reise glaube ich: es ist beides. Überhaupt ist die Umwelt sehr sauber und alle Städte sind sehr stark begrünt und gepflegt. Als wir eine Bootfahrt machen wollen, kommt ein Taifun auf und macht uns einen Strich durch die Rechnung. Heftigste Regegüsse setzen im Nu die Straßen cm-tief unter Wasser. Wir flüchten uns in die nächste McDonalds Filiale.

ass die Chinesen sehr abergläubisch sind und ein besonderes Faible für Glückszahlen haben, spürt man sogar hier: Anstatt wie bei uns 6er und 9er Chicken McNuggets gibt es dort 5er und 8er – denn die 6 und die 9 gelten als unglückbringend. China bleibt ein Abenteuer, auch im Jahr 2018, es gibt immer noch Vieles zu entdecken. Für Individualisten bietet China Entdeckerfreuden, für Pauschalreisende wird die Sprache keine Hürde darstellen da ein Reiseführer als Begleiter zur Verfügung steht. Nur Geschäftsreisende, die suchen weder Abenteuer noch steht ihnen ein Reiseführer zur Verfügung. Die müssen sich durchwursteln.

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