Mittwoch, 21.08.2019 11:33 Uhr

Ein Garten für Lein und Krapp

Verantwortlicher Autor: Uwe Rembor Wien, 22.07.2019, 16:25 Uhr
Presse-Ressort von: Uwe Eugen Rembor Bericht 3799x gelesen
Küchengarten im Unteren Belvedere
Küchengarten im Unteren Belvedere  Bild: Uwe Rembor

Wien [ENA] Wer bitte sind Lein und Krapp? – Nun, nicht wer, sondern was – das ist hier die Frage. Lein und Krapp sind Gewächse die man zum Malen braucht. Hä? Noch mysteriöser, Lein und Krapp? Nie gehört! Und Gewächse zu Malen?? Fragen wie diese beschäftigen Johanna und Helmut Kandl. Das österreichische

Künstlerehepaar ergründet die Materialität von Bildern: Die Mal- und Farbmittel eines Kunstwerks erzählen eine eigene Geschichte von ihrer Gewinnung, Herkunft und sozialen Einbettung, parallel zum Motiv der Bilddarstellung. Die meisten organischen Malmaterialien werden aus Pflanzen gewonnen. Im Garten zur Ausstellung im Museum Unteres Belvedere in Wien werden Pflanzen angebaut, die auf die eine oder andere Weise zur Erzeugung von Malmaterial verwendet werden: Lein, Föhre, Krapp, Mastixstrauch oder Kaktus, bevorzugter Wirt der Koschenillelaus, aus der ein dunkler Rot gewonnen wird, das lange Zeit auch Campari oder Lippen färbte.

Pflanzen, die der Herstellung dieser Materialien dienen, prägen das Dasein der Menschen, die von ihnen leben. Sie formen auch die sie umgebende Landschaft – wie beispielsweise Krapp in Südfrankreich im 19. Jahrhundert, Indigo in Indien oder die Föhren im südlichen Niederösterreich. Manche Ortsnamen oder umgangssprachliche Ausdrücke verweisen bis heute auf dieses Naheverhältnis – so wie „Kappl am Krappfeld“, Geburtsort von Maria Lassnig, oder Ausdrücke wie „blau machen“ oder „grün und blau schlagen“, die ihren Ursprung in der Indigoproduktion haben. Die Gartenanlage entstand in Zusammenarbeit mit der Gartenarchitektin Jutta Fischel und des Bundesgärten. Sie läuft noch bis zum 25. August 2019.

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